Oh Du schöner Westerwald! - Etappenfahrt 2014

Oh Du schöner Westerwald! - Etappenfahrt 2014


Es ist Freitag, der 11. Juli 2014, ein wolkenverhangener Tag. Die Lufttemperatur beträgt gerade einmal 16 Grad. Bis in die frühen Morgenstunden hat es geregnet, und die Straßen sind stellenweise noch sehr nass. Keine guten Bedingungen, um eine dreitägige Etappenfahrt durch den Westerwald zu starten. Trotzdem haben wir, elf Mitglieder des RTC Mehlem, uns am gewohnten Treffpunkt in Wachtberg-Werthhoven getroffen, um dieses Abenteuer in Angriff zu nehmen.

Besonders hoch waren die Erwartungen an hohe, sommerliche Temperaturen ohnehin nicht. Schließlich besagt eine Zeile des berühmten „Westerwaldliedes“ ja auch: „Über Deine Höhen pfeift der Wind so kalt…“. Dieser Passage machte der Westerwald an diesem Tag auch alle Ehre.

Bevor wir aber hierhin gelangen konnten, galt es zunächst, ein natürliches Hindernis zu überwinden: den Rhein. Hierfür leistete uns die Fähre von Rolandseck nach Bad Honnef gute Dienste. Von dort führte die Strecke durch das Schmelzbachtal im Siebengebirge nach Ägidienberg und von dort über Windhagen und viele kleine Ortschaften nach Wissen an der Sieg. Dort war dringend eine Pause fällig. Die Energiereserven mancher Teilnehmer waren zu diesem Zeitpunkt schon bedenklich angegriffen. Da kam ein Stück Streuselkuchen und eine Tasse Milchkaffee gerade recht.

Weiter ging die Tour über Kirchen und Daaden zum ersten Etappenziel, dem kleinen und schönen Städtchen Bad Marienberg. In der dortigen Jugendherberge hatten wir unser Quartier gebucht. Über den Standard der Herberge waren wir sehr erstaunt. Die Zeiten, in denen die Gäste dort in spartanisch eingerichteten 8-Bett-Zimmern übernachten mussten, sind lange Vergangenheit. Sowohl der Service als auch die moderne und schicke Einrichtung der Zimmer entsprechen heute durchaus Hotelstandard.

Samstag, den 12. Juli, wurde die zweite Etappe in Angriff genommen. Von Bad Marienberg radelten wir in südlicher Richtung. Niemand aus der Gruppe war in diesem Gebiet schon einmal unterwegs gewesen, und von den dortigen kleinen Orten war nur einer bekannt: Selters. Kommt da nicht der gute Sprudel her? Apropos Sprudel. Das Wetter hatte sich im Laufe des Tages tatsächlich gebessert. Sogar die Sonne ließ sich blicken und setzte den südlichen Westerwald ins beste Licht. Allerdings stieg auch die Quecksilbersäule des Thermometers und ein bislang unbekanntes Phänomen stellte sich ein: Durst. Begünstigt wurde dieser Umstand auch durch die vielen kleinen aber gemeinen „Stiche“, also starke Anstiege mit Steigungswerten von bis zu 15%. Der Westerwald hat es eben in sich!

Gegen Mittag fuhren wir dann eine längere Abfahrt nach Runkel ins schöne Lahntal hinab. Dort wurde erst einmal ordentlich Mittagspause gemacht. Schließlich war das Ziel ja noch nicht erreicht. Denn eines musste jedem, der nur halbwegs in Erdkunde aufgepasst hatte, klar sein: Die Lahn hat sich jahrtausendelang die Mühe gemacht, ein tiefes Tal zu graben und damit zwei Mittelgebirge voneinander zu trennen: den Westerwald im Norden und den Taunus im Süden. Da wir auf unserem Weg nach Kaub aber noch ein Stück durch den Taunus rollen mussten, hieß die Devise: “Aufwärts“. Ca. 50 km Berg- und Talfahrt mit Anstiegen von bis zu 15 % waren hier zurückzulegen. Belohnt wurde der letzte Abschnitt der zweiten Etappe mit einer steilen Abfahrt von 18 % nach Kaub am Rhein.

Auch in diesem schönen kleinen Städtchen übernachteten wir in der dortigen Jugendherberge, die ebenfalls überhaupt nichts mehr mit den Jugendherbergen alter Generation gemein hat. Wie auch die Herberge in Bad Marienberg, ist diese für mehrtägige Radtouren perfekt geeignet.

Sonntag, der 13. Juli: Was war das für ein schreckliches Geräusch, das uns da aus dem Schlaf gerissen hat? Tatsächlich, es regnete! Die Straßen waren pitschnass. Dieser Anblick ließ nichts Gutes erwarten. Nach einem ausgiebigen Frühstück sah die Welt aber schon wieder ein wenig besser aus. Wenigstens hatte der Regen nachgelassen. Zwar war die Straße durch das schöne Mittelrheintal und an der Loreley vorbei nass. Die beeindruckende Landschaft ließ die hierdurch entstehenden Unannehmlichkeiten aber schnell in Vergessenheit geraten.

Ab Lahnstein verlief die Route weiterhin flach entlang der Lahn bis in das mondäne Bad Ems. Dort endete die Flachland-Rallye jedoch abrupt. Mit einer Steigung von bis zu 14 % schlängelte sich die Straße über mehrere Kilometer nach Kemmenau und Kadenbach hinauf. Dort wurden wir für die Mühen aber reichlich belohnt. Ein befreundetes Ehepaar hatte eine zünftige Mittagspause für uns organisiert. Bei reichlich alkoholfreiem Weizenbier und Fleischwurstbrötchen konnten die Energiedepots wieder aufgefüllt werden.

Weiter verlief die Strecke über Vallendar und Neuwied, wo wir den Rhein wieder überquerten; dieses Mal aber über eine Brücke. Nunmehr flach, durch Weißenthurm, Andernach, Brohl, Bad Breisig und Sinzig erreichten wir am späten Nachmittag Remagen. Auf der dortigen Rheinpromenade ließen wir die Fahrt im Außenbereich des dortigen Brauhauses ausklingen. Drei sehr anstrengende aber schöne Tage lagen hinter uns. Insgesamt hatten wir eine Gesamtstrecke von ca. 380 km und 4.500 Höhenmeter bewältigt. Klar, dass nun einstimmig folgender Beschluss gefasst wurde: Nächstes Jahr wird auf jeden Fall wieder eine Etappenfahrt des RTC Mehlem stattfinden. Dann aber vielleicht ein wenig flacher. Ganz herzlich bedanken wir uns bei Jana Truckenbrodt für den zuverlässigen Gepäcktransport und bei Angela Schmilewski für die schönen Fotos.


 Bilder: Angela Schmilewski ©

 

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