Auf den Spuren des Schinderhannes

Auf den Spuren des Schinderhannes
3-Tages-Etappenfahrt des RTC Mehlem in den Hunsrück

In der Zeit vom 16. bis 18. September 2016 fand die jährliche Etappenfahrt des RTC Mehlem statt. Insgesamt 12 Mitglieder des Vereins machten sich am Freitagmorgen bei schönstem Sonnenschein auf den Weg.
Ziel der Tour war dieses Jahr ein weiteres Mittelgebirge, der Hunsrück.

Zunächst mussten die Radler durch die Grafschaft und Bad Neuenahr nach Königsfeld, dann über Niederzissen und zum Laacher See. Dort wurde ein schönes Foto von den 12 „Helden“ geschossen. Nach einer ausgiebigen Mittagspause in Mendig. ging es gut gestärkt nach Ochtendung und von dort steil bergab nach Kobern-Gondorf an die Mosel. Auf der anderen Moselseite wurde die Stoppomat-Strecke von Niederfell nach Pfaffenheck in Angriff genommen. Diese wunderschöne Strecke verläuft ca. 9,3 Kilometer durch das Aspelbachtal, wobei ca. 325 Höhenmeter zu überwinden sind.

In Pfaffenheck angekommen erwartete die RTC‘ler bereits Peter Kreiser, ein guter Freund, der im Hunsrück zu Hause ist und sich dort bestens auskennt.

Nach weiteren zehn Kilometern war die Stadt Emmelshausen erreicht. Dort befuhren die Sportler den „Schinderhannes-Radweg“. Hierbei handelt es sich um einen Bahntrassen-Radweg, der sich auf ca. 30 Kilometer Länge über Kastellaun nach Simmern durch den schönen Hunsrück schlängelt. Kaum zu glauben, dass in dieser idyllischen und friedlichen Gegend vor ca. 200 Jahren der berüchtigte „Schinderhannes“ sein Unwesen getrieben haben soll! Jedenfalls bietet sich vom Radweg aus ein herrlicher Blick über die Höhen des Hunsrücks und auf die nördlich der Mosel gelegene Eifel.

In Simmern befand sich die erste Unterkunft, das Hotel Bergschlösschen. Der Tag wurde dort bei einem leckeren Abendessen im Hotel abgeschlossen. An Gesprächsstoff fehlte es nicht, schließlich war die erste Etappe schon sehr beeindruckend gewesen. 140 Kilometer und ca. 2.000 Höhenmeter waren bereits jetzt bewältigt.

Als die Radler am kommenden Tag zur zweiten Etappe aufbrachen, bedeckte noch leichter Herbstnebel die wunderschöne Landschaft. Dieser machte jedoch schnell der strahlenden Sonne Platz, damit sich der Hunsrück von seiner schönsten Seite zeigen konnte. Durch viele pittoreske Dörfer führte die Route nach Mörsdorf. Hier erwartete die Teilnehmer ein Höhepunkt, der es in sich hatte. Zumindest schwindelfrei musste man hierfür schon sein. Ganz gegen ihre Gewohnheit mussten die Rennräder hier sogar geschoben werden. Der Grund hierfür lag auf der Hand: Der Weg führte unausweichlich über Deutschlands längste Hängebrücke, die 360 Meter lange Geierlaybrücke, die das Mörsdorfer Bachtal überquert.

Nach diesem beeindruckenden Erlebnis erreichten die Radler das kleine Dorf Forst. Obwohl es sich hier scheinbar um ein Dorf wie viele andere handelte, waren hier zwei Besonderheiten zu nennen: Zum Einen ist Forst mit seinen 60 (!) Einwohnern der kleinste Ort im Kreis Cochem-Zell und zum Anderen wurden die Tour-Teilnehmer von der Ortsbürgermeisterin persönlich begrüßt. Eine solche Ehre wurde den Teilnehmern einer Etappenfahrt bislang des RTC Mehlem bislang noch nicht zuteil.

Von Forst waren es nur noch wenige Kilometer bis nach Beilstein an der Mosel. Die Zufahrt dorthin verlief über eine längere steile Passage durch einen Wald. In Beilstein wurde sich bei Zwiebelkuchen und Federweißen ausgiebig gestärkt. Im Anschluss daran hieß es Abschied von Peter nehmen, der wieder die Heimfahrt in Richtung Hunsrück antrat.

Die dann folgenden 30 Kilometer bis zum zweiten Etappenziel in Traben-Trarbach verliefen entlang der Mosel nur noch flach. Nachdem die Renner in der Garage der Jugendherberge abgestellt und die RTCler geduscht waren, wurde der Tag in einem schönen Gasthaus in der Stadt ausklingen gelassen. Insgesamt waren an diesem Tag ca. 100 Kilometer und knappe 1.000 Höhenmeter zurückgelegt worden.

Tag drei begann mit einer kleinen Ernüchterung. In der Nacht und am frühen Morgen hatte es geregnet. Sollte das etwa mal wieder das vorherrschende Wetter des letzten Etappentages sein? Gott sei Dank hatte Petrus aber Mitleid mit den Fahrern und hielt die Wolkenlast dort, wo sie hingehört.

Am diesem letzten Tag der Fahrt waren immer noch ca. 130 Kilometer und ca. 1.500 Höhenmeter zu knacken. Zunächst mussten die Eifelhöhen erobert werden. Über Bad Bertrich führte der Weg stetig bergauf nach Ulmen, wo auf dem Stadtfest Mit-tagspause gemacht wurde. Vor dort verlief die Route über Kelberg zum Nürburgring. Hier waren die meisten Höhenmeter dieser Etappe absolviert. Ab jetzt lag ein langes Wegstück vor den schmalen Reifen, das überwiegend abwärts durch Adenau und dann über den Ahrradweg bis nach Kreuzberg an der Ahr führte. Von dort hatten die Radler nur die Qual der Wahl: Sollten noch ein paar Höhenmeter in Angriff genommen werden (dann hätte die Route über Krählingen und die Grafschaft verlaufen müssen) oder sollte es flach an der Ahr entlang bis Dernau gehen? Letztlich hatte die Vernunft über den Übermut gesiegt, und schweren Herzens entschieden sich die Teilnehmer für die Flach-Passage. Falls jedoch jemand denkt, dass nun der ruhige Teil der Reise begonnen hatte, dann hat sich gewaltig getäuscht! Unmittelbar hinter dem Altenahrer Straßentunnel konnten es einige ganz Verwegene nicht lassen, einen Sprintzug einzurichten. Nach dem Motto „Kette rechts!“ raste die „Ausreißergruppe“ durch die malerischen Weinorte Laach, Mayschoß und Rech bis nach Dernau.

Nachdem das „Verfolgerfeld“ ebenfalls dort eingetroffen war, wurde noch eine letzte kleine Rast gemacht, um dann am ehemaligen Regierungsbunker in Marienthal vorbei wieder auf die Höhen der Grafschaft zu gelangen. Jetzt waren es nur noch wenige Kilometer bis nach Hause.

Am Ende der Fahrt zierten ca. 370 Kilometer und 4.500 Höhenmeter den Tacho. Als weiteres Fazit konnte gezogen werden, dass die Tour sehr harmonisch verlaufen war. Auch das Wetter war, entgegen gegenteiliger Prognosen, besser, als auf allen bisherigen Etappenfahrten. Nicht wenige Teilnehmer behaupteten, dass es sich um die schönste Etappenfahrt des RTC Mehlem überhaupt gehandelt habe. Was will man mehr? Das ist ein schöner Ansporn für die Planung der nächsten Etappenfahrt. Denn schließlich gilt die Devise: Nach der Tour ist vor der Tour. Und die ist bereits in der Mache. Im kommenden Jahr geht es in Richtung Bergisches Land und Sauerland.

Fotos: Angela Schmilewski
Text: Michael Truckenbrodt

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